Liebe Unternehmensgestalter, Produktivitäts-Jäger, Macher und Umsetzer!
Ich durfte in den vergangenen Jahren unglaublich viel über Führung lernen. Wenn ich heute mit diesem Wissen auf mein früheres Ich zurückblicke, muss ich ehrlich sagen: Ich habe unendlich viele Fehler gemacht.
Ich bin ein netter Mensch. Mir war eine gute Stimmung im Unternehmen immer wichtig. Vielleicht sogar wichtiger als sie hätte sein dürfen. Harmonie war mir oft näher als Klarheit. Beziehung wichtiger als Ergebnis. Genau dort begann mein Problem.
Ich erinnere mich an ganz einfache Alltagssituationen. Ein Mitarbeiter kommt ins Büro und legt mir etwas vor – ein Angebot für einen Kunden, eine Ausschreibung für ein Werkzeug, ein Konzept für ein internes Projekt. Ich schaue darauf und denke sofort: „Es ist ok. Aber ein paar Dinge passen nicht.“ Meine Antwort war trotzdem: „Danke, passt schon.“
Danach habe ich selbst noch Kleinigkeiten angepasst. Formulierungen geändert. Fehler ausgebessert. Details korrigiert. Warum? Weil ich keinen Konflikt wollte. Weil ich niemanden demotivieren wollte. Weil ich dachte, es ist schneller, wenn ich es einfach selbst mache.
Klingt harmlos. Ist es aber nicht. Ich habe mir damit selbst geschadet, weil ich immer mehr operative Arbeit übernommen habe. Und ich habe dem Mitarbeiter geschadet, weil er nie gezwungen war, wirklich besser zu werden. Eine klassische Lose-Lose-Situation.
Kurzfristig bleibt es ruhig. Mittelfristig entsteht Mittelmaß. Langfristig entstehen Konflikte, denen man irgendwann nicht mehr aus dem Weg gehen kann.
Stell dir vor, du dürftest in deiner Führungsarbeit keine Lügen mehr denken oder aussprechen. Alles, was du dir selbst oder anderen sagst, müsste zu 100 % wahr sein. Wie würde dein Arbeitsalltag aussehen?
Heute bekommst du drei typische Aussagen, die du entweder selbst schon einmal gesagt hast oder von einer Führungskraft gehört hast. Wir schauen uns an, wie sie sich im Alltag zeigen, was wirklich dahintersteckt und was passieren würde, wenn diese Sätze nicht mehr möglich wären.
1. Aussage: „Es passt schon.“
Dieser Satz klingt freundlich. Wertschätzend. Unkompliziert. Im Alltag bedeutet er: Du siehst, dass etwas nicht ganz sauber ist, aber du sprichst es nicht klar an. Ein Angebot ist inhaltlich richtig, aber argumentativ schwach. Eine Kalkulation stimmt grob, aber Details sind unsauber. Ein Konzept ist brauchbar, aber nicht durchdacht. Du sagst trotzdem: „Passt schon.“ Kurzfristig bleibt die Stimmung gut. Langfristig sinkt das Niveau.
Du wirst zum Nadelöhr. Du korrigierst im Hintergrund und dein Mitarbeiter lernt: Mehr ist nicht nötig.
Wenn dieser Satz nicht mehr möglich wäre, müsstest du anders führen:
- Du müsstest Standards klar formulieren.
- Du müsstest Feedback ehrlich und zeitnah geben.
- Du müsstest Leistung einfordern – respektvoll, aber klar.
Im Sinne einer reifen Führung heißt das: Beziehung UND Ergebnis. Respekt UND Anspruch. Echte Wertschätzung bedeutet nicht, Fehler zu übergehen, sondern Menschen zuzutrauen, besser zu werden. Kurz: sag höflich und respektvoll was dir nicht passt und was du konkret erwartest.
2. Aussage: „Meine Leute ziehen nicht mit.“
Dieser Satz fällt oft resigniert. Ein Ziel wurde kommuniziert oder ein Projekt wurde gestartet und alle haben genickt. Wochen später ist wenig passiert. Dann entsteht innerlich die Erklärung: „Das Team ist noch nicht so weit.“, „Die Motivation fehlt.“ oder „Sie ziehen nicht mit.“
Stell dir folgende Fragen: Waren die Erwartungen wirklich konkret? Gab es klare Verantwortlichkeiten? Wurden Ergebnisse messbar definiert? Gab es verbindliche Feedbackschleifen? Oder blieb es bei einem Appell?
Wenn dieser Satz nicht mehr möglich wäre, müsstest du dich zuerst selbst hinterfragen.
- Habe ich wirklich geführt – oder nur informiert?
- Habe ich Orientierung gegeben – oder nur einen Auftrag?
Führung heißt Verantwortung übernehmen. Nicht nur für Ziele, sondern für die Bedingungen, unter denen Ziele erreichbar werden. Wenn dieser Satz wegfällt, verschwindet die Opferrolle und Führung macht wieder das, was sie machen soll: Klarheit geben.
3. Aussage: „Ich kann das nicht delegieren.“
Dieser Satz klingt engagiert. Fast pflichtbewusst. „Ich mache das lieber selbst.“, „Bevor ich es dreimal erkläre, mache ich es schnell.“ oder „Das ist zu wichtig.“
Im Alltag bedeutet das: Du sitzt abends noch im Büro. Du korrigierst operative Details. Du entscheidest Dinge, die längst im Team liegen sollten. Was dahintersteckt, ist selten böse Absicht. Oft ist es Kontrollbedürfnis, Perfektionismus, Misstrauen oder schlicht fehlende Standards.
Delegation funktioniert nur mit Klarheit.
- Klare Prozesse.
- Klare Qualitätsmaßstäbe.
- Klare Entscheidungsräume.
Wenn dieser Satz nicht mehr möglich wäre, müsstest du Führung systematisieren. Du müsstest Verantwortung bewusst übertragen. Fehler zulassen und Lernschleifen einbauen. Kurz gesagt: Dein System stärken statt deine To-do-Liste. Solange du alles selbst hältst, wächst dein Kalender, aber nicht dein Unternehmen.
Delegation ist die bewusste Entscheidung Kontrolle abzugeben und Kompetenzen bei deinen Mitarbeitern aufzubauen.
Fazit: Diese drei Sätze sind menschlich und jeder von uns hat sie schon gesagt. Aber sie halten Unternehmen klein. Sie schützen kurzfristig Harmonie, das eigene Ego und vermeiden Reibung. Genau deshalb verhindern sie Exzellenz.
Führung beginnt mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme im Spiegel und Ehrlichkeit mit sich selbst. Wenn du Aussagen wie diese aus deinem Wortschatz (und dem deiner Mitarbeiter) streichst, wird es zuerst unbequem, aber dann wird es klarer. Und aus Klarheit entsteht Leistung.
Exzellenz ist eine Entscheidung.
Drei Fragen für dich zur Reflexion
- Wo sagst du aktuell „Es passt schon“, obwohl dein Anspruch höher ist?
- Übernimmst du wirklich Verantwortung oder erklärst du Verhalten anderer?
- Welche operative Aufgabe hältst du fest, obwohl dein System sie tragen sollte?
Aber selbst die ehrlichste Führung reicht nicht aus. Denn was passiert, wenn Prozesse voller Verschwendung sind? Wenn Abläufe unklar sind? Wenn man sich mit „Das geht nicht schneller“ zufriedengibt? Im nächsten Teil schauen wir uns an, welche drei Lügen Prozesse ineffizient halten und warum Lean im Kern nichts anderes ist als organisierte Ehrlichkeit.
Wenn du Führung nicht als Motivationsprogramm, sondern als strukturiertes Verantwortungsmodell entwickeln willst, dann wirf einen Blick in die mpacademy.
Dort geht es nicht um schöne Theorie, sondern um klare Standards, Verantwortung und echte Umsetzung im Unternehmensalltag. Exzellenz beginnt bei dir und sie wächst im System.
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Martin Posarnig








