Ausgabe 150 5. November 2026

Die Aufträge kommen zurück. Der Ertrag nicht. 3 Hebel für Ihre Herstellkosten

Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,

die Industrie schöpft wieder Hoffnung. Gestern hat die Industriellenvereinigung ihre Konjunkturumfrage für das dritte Quartal vorgestellt. Befragt wurden 373 Unternehmen mit rund 272.000 Beschäftigten. Das Konjunkturbarometer steigt von 4,9 auf 8,3 Punkte. Die Produktionserwartungen sind so hoch wie seit Ende 2021 nicht mehr.

Ein Wert bewegt sich trotzdem kaum: der Ertrag. Die Ertragserwartungen für die nächsten sechs Monate bleiben unverändert bei plus 3 Punkten. 22 Prozent der Betriebe rechnen weiter mit Stellenabbau. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sagt es klar: „Beschäftigung und Erträge bleiben unter Druck.“ Mehr Menge allein macht also noch keine Marge.

Genau das habe ich bei einem Kunden erlebt. Für ihn habe ich ein umfangreiches Programm für Digitalisierung und KI aufgesetzt. Das Ziel war von Anfang an eine klare Kennzahl: die Lohnstückkosten. Das Programm ist gestartet, einige Projekte sind umgesetzt. Im Betrieb spürt man das. Die Leistung ist gestiegen, die Mitarbeiter sind entlastet. Die Kennzahl selbst hat sich trotzdem nur leicht verbessert.

Die exakte Ursache zu finden ist schwierig. Das Ergebnis eines Unternehmens hängt auch an vielen Einflüssen von außen. Eines ist für mich aber klar: Ohne diese Arbeit wäre das Ergebnis deutlich schlechter ausgefallen. Die Kennzahl hätte sich sehr wahrscheinlich verschlechtert. Wenn der Gegenwind so stark ist, braucht es Hebel, die direkt auf das Ergebnis wirken. Drei davon stelle ich Ihnen heute vor.

3 Hebel, die Ihren Ertrag verbessern:

Hebel 1

Führen Sie multiplikativ

In schwierigen Zeiten packt der Chef gern selbst mit an. Er springt ein, löst Probleme persönlich und bleibt abends länger. Das nenne ich additive Führung. Die eigene Arbeitsleistung kommt zur Leistung des Teams dazu. Mehr als ein paar Stunden pro Woche gewinnt der Betrieb dadurch nicht, und irgendwann ist die Kraft der Führungskraft aufgebraucht.

Eine multiplikative Führungskraft steckt ihre Zeit in etwas anderes. Sie kümmert sich um ideale Rahmenbedingungen: klare Ziele, klare Zuständigkeiten, passende Werkzeuge und freie Bahn, wenn etwas blockiert. Dann performen die Mitarbeiter, und jede Stunde der Führung wirkt über das ganze Team. Gerade wenn es wirtschaftlich eng wird, ist das der größere Hebel.

Am Montag heißt das für Sie: Schauen Sie auf Ihre letzte Woche. Wie viele Stunden haben Sie selbst Arbeit erledigt, und wie viele haben Sie in bessere Bedingungen für Ihr Team gesteckt? Nehmen Sie eine Aufgabe, die immer bei Ihnen landet, und fragen Sie sich, was Ihr Team bräuchte, um sie ohne Sie zu lösen.

Hebel 2

Machen Sie Ihre Prozesse schlank

Lean ist nicht neu. Die Basismethoden bringen in den meisten Unternehmen trotzdem bis heute erstaunliche Ergebnisse, und das zu minimalen Kosten. Darunter verstehe ich vier Dinge: 5S für Ordnung am Arbeitsplatz, Shopfloor Management für tägliche Transparenz direkt vor Ort, die A3-Methode für strukturierte Problemlösung und KVP für die laufende Verbesserung in kleinen Schritten.

Keine dieser Methoden braucht ein großes Budget oder neue Software. Sie brauchen Disziplin und eine Führung, die sie jeden Tag einfordert. Und sie legen das Fundament für alles, was danach kommt. Auf einem unsauberen Prozess bringt auch die beste Technik wenig.

Am Montag heißt das für Sie: Suchen Sie sich den Bereich mit den meisten Störungen oder dem höchsten Suchaufwand. Starten Sie dort mit 5S und einer täglichen Shopfloor-Runde von 15 Minuten.

Hebel 3

Nutzen Sie KI als Produktivitätsbooster

KI kann in jedem Unternehmen ein massiver Produktivitätsbooster sein. Sie nimmt Routinearbeit ab, beschleunigt Planung, Angebote und Auswertungen und macht Wissen schneller verfügbar. Das wirkt direkt auf die Herstellkosten. Die Menge, die jetzt zurückkommt, bewältigt Ihr Team dann mit weniger Aufwand pro Stück.

Dafür brauchen Sie keine jahrelange Vorerfahrung. Selbst ein Unternehmen ohne KI-Erfahrung kann in sechs Monaten erstaunliche Ergebnisse erzielen. Wichtig ist, mit einem klaren Ziel zu starten. Eine Kennzahl, an der Sie den Erfolg messen, so wie bei meinem Kunden die Lohnstückkosten.

Am Montag heißt das für Sie: Wählen Sie die Kennzahl, die Ihnen die meisten Sorgen macht. Sammeln Sie mit Ihrem Team die drei Tätigkeiten, die dort am meisten Zeit fressen. Eine davon wird Ihr erster KI-Anwendungsfall.

Fazit: Die Erholung kommt langsam. In Ihrem Ergebnis landet sie nur, wenn Sie selbst nachhelfen. Führung, schlanke Prozesse und KI wirken jeder für sich. Ihre volle Kraft entfalten sie gemeinsam. KI bringt die volle Wirkung erst, wenn sie auf stabilen Prozessen aufsetzt und die Führung klar ist. Dann verstärkt jeder Teil die beiden anderen. Das nenne ich das Wettbewerbsschwungrad. Jede Umdrehung macht die nächste leichter. So entsteht ein Vorsprung, der bleibt, auch wenn der Gegenwind von außen anhält.

Drei Fragen für Sie
  1. Wie viel Ihrer Woche führen Sie additiv, und wie viel multiplikativ?
  2. Welche Lean-Basismethode läuft in Ihrem Betrieb wirklich jeden Tag, und welche steht nur auf dem Papier?
  3. An welcher Kennzahl würden Sie den Erfolg Ihres ersten KI-Projekts messen?

Wie denken Sie darüber? Teilen Sie Ihre Gedanken gerne auf LinkedIn und lassen Sie uns voneinander lernen.

Quelle der Zahlen: IV-Konjunkturumfrage 3. Quartal 2026, Industriellenvereinigung, 4. November 2026

Sie wollen wissen, welcher der drei Hebel in Ihrem Betrieb am meisten bewegt? Ich biete ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch an, ohne Pitch.

Termin vereinbaren →

Sie haben Fragen oder möchten mir Feedback zum Newsletter geben? Dann melden Sie sich gerne. Sie erreichen mich jederzeit über mein LinkedIn-Profil oder per E-Mail an martinposarnig@mpdigital.at.

Ihr Produktivitäts-Pilot
Martin Posarnig