Wenn die Wende kommt, sind Sie bereit. 3 Dinge, die mich mein Mentor gelehrt hat
Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,
drei Viertel der Industrie erwarten, dass Österreich deindustrialisiert wird. So stand es letzte Woche in vielen Meldungen. Die Zahl stammt aus dem „Made in Austria IndustriePANEL 2026" der TU Wien, vorgestellt am 19. Oktober. Befragt wurden 106 Führungskräfte aus 101 produzierenden Unternehmen. 76,3 Prozent rechnen in den nächsten zehn Jahren mit einer Deindustrialisierung. Nur 30,7 Prozent bewerten die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Standorte positiv. Das ist ein neuer Tiefstand.
Ich will das nicht kleinreden. Die Zeiten sind schwierig, und eine rasche Besserung ist nicht in Sicht. Wer derzeit Nachrichten liest oder durch LinkedIn scrollt, findet kaum etwas anderes als schlechte Stimmung.
Dieselbe Studie erzählt aber noch eine zweite Geschichte. In den Schlagzeilen kam sie kaum vor. 55,7 Prozent bewerten ihre Geschäftslage am Weltmarkt positiv, 5,2 Prozentpunkte mehr als 2025. Der Umsatzanteil neuer Produkte und Services liegt bei 28,4 Prozent, so hoch wie nie. Erstmals setzt eine Mehrheit KI in der Produktion ein, 59,1 Prozent. Und 96,8 Prozent sagen, menschliche Arbeit hat große Bedeutung. Die Betriebe investieren, entwickeln und stellen sich neu auf.
Genau darum geht es mir heute. Irgendwann kommt der Wendepunkt. Wenn er kommt, wollen Sie bereit sein. Und wenn er auf sich warten lässt, bringt es genauso wenig, die Hände in den Schoß zu legen. Also dranbleiben. Wie das gelingt, habe ich von meinem Mentor Prof. Dr. Manfred Winterheller gelernt. Drei Dinge davon begleiten mich bis heute.
3 Haltungen, die Sie durch schwierige Zeiten tragen:
Behalten Sie eine positive Weltsicht
Die Welt ist nicht generell schlecht. Jeden Tag passieren tausende positive Dinge. Wir haben nur verlernt, sie wahrzunehmen. Die Medien reden uns ein, dass alles den Bach runtergeht, weil sich das besser verkauft. Die Studie oben zeigt es im Kleinen: Dieselben Zahlen tragen eine düstere und eine ermutigende Geschichte. Die Schlagzeilen erzählen meist die düstere.
Für Sie als Geschäftsführer ist das mehr als eine Stimmungsfrage. Ihre Mannschaft schaut auf Sie. Wer jeden Tag nur Krise hört, investiert nicht, probiert nichts Neues aus und hält still. Mit einer positiven Weltsicht sehen Sie die Probleme genauso. Sie sehen aber auch, was gelingt, und genau dort setzen Sie an.
Das bedeutet konkret für Sie: Beginnen Sie die nächste Teambesprechung mit der Frage, was in den letzten Wochen gut gelaufen ist. Und schreiben Sie sich jeden Abend eine Sache auf, die an diesem Tag gelungen ist.
Besinnen Sie sich auf Ihre Werte
In unsicheren Zeiten verändert sich vieles gleichzeitig. Märkte, Preise, Technik. Halt geben Ihnen dann Ihre Werte. Bei mir sind das Respekt, Disziplin und Exzellenz. Ich lebe sie jeden Tag, beruflich wie privat. Sie sind für mich unumstößlich. Das klingt vielleicht hart. Mir verschafft es ein angenehmes Leben. Ich muss nicht jeden Tag neu überlegen, wie ich mich verhalte. Die Entscheidung ist längst gefallen.
Für Ihren Betrieb gilt dasselbe. Werte, die der Chef jeden Tag vorlebt, geben der Mannschaft Orientierung. Gerade dann, wenn von außen nur schlechte Nachrichten kommen. Ihre Leute wissen, woran sie bei Ihnen sind, egal wie sich der Markt bewegt.
Das bedeutet konkret für Sie: Schreiben Sie Ihre drei wichtigsten Werte auf. Und fragen Sie sich ehrlich, wo Sie sie in der letzten Woche gelebt haben und wo nicht.
Bleiben Sie dran
Der sicherste Weg zum Erfolg ist dranbleiben. Man kann niemanden besiegen, der nicht aufhört. Das gilt für jedes Projekt, jede Veränderung und jede Durststrecke. Gerade jetzt ist die Versuchung groß, Vorhaben auf Eis zu legen und abzuwarten, bis es wieder besser wird. Wer dranbleibt, steht beim Wendepunkt in der ersten Reihe.
Alleine ist das manchmal sehr schwer. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Darum umgebe ich mich mit Menschen, die anständig sind und etwas beitragen. Damit meine ich auch emotional. Menschen, die andere unterstützen und aufbauen. Mehrwert für andere zu liefern ist wichtig. Für sie da zu sein, wenn es herausfordernd wird, genauso.
Das bedeutet konkret für Sie: Nehmen Sie ein Vorhaben, das Sie wegen der Lage zurückgestellt haben, und setzen Sie in den nächsten zwei Wochen den nächsten kleinen Schritt. Und rufen Sie diese Woche einen Menschen an, der Sie aufbaut. Oder einen, der gerade Sie braucht.
Fazit: Die Lage ist ernst, und sie bleibt es vorerst. In der Hand haben Sie, wie Sie ihr begegnen. Mit einem offenen Blick für das Gute, mit klaren Werten und mit Menschen an Ihrer Seite, die mit Ihnen dranbleiben. Wenn der Wendepunkt kommt, sind Sie bereit. Und bis dahin kommen Sie jeden Tag ein Stück weiter.
- Welche guten Nachrichten aus Ihrem Betrieb haben Sie in den letzten Wochen übersehen?
- Welche Werte leben Sie so, dass Ihr Team sie auch ohne Worte erkennt?
- Wer sind die Menschen, die Sie aufbauen? Und für wen sind Sie gerade so ein Mensch?
Wie denken Sie darüber? Teilen Sie Ihre Gedanken gerne auf LinkedIn und lassen Sie uns voneinander lernen.
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Martin Posarnig