Die KI-Lücke in Österreich wächst. 3 Hebel, damit Sie mithalten
Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,
letzten Freitag hat McKinsey gemeinsam mit der KI-Task-Force der Industriellenvereinigung die Studie „State of AI in Austria: Update 2026“ veröffentlicht. Befragt wurden 135 Technologie- und Digitalverantwortliche aus 54 Unternehmen. Das Ergebnis: Der durchschnittliche KI-Reifegrad österreichischer Unternehmen ist binnen eines Jahres von 30 auf 36 von 100 Punkten gestiegen. Am stärksten zugelegt haben die Strategie und die Skalierung von KI-Anwendungen. KI ist im Topmanagement angekommen, das technische Fundament steht.
Die Kehrseite: Rund der Hälfte der Unternehmen fehlt eine Methode, um den Nutzen von KI vorab zu berechnen. Sieben von zehn tun sich nach der Einführung schwer, den Erfolg zu messen. Talent bleibt die schwächste Dimension. Und der Abstand zwischen Vorreitern und Nachzüglern ist von 37 auf 41 Punkte gewachsen. Rund 40 Prozent der Unternehmen stehen noch am Anfang, der Maschinenbau bildet mit 29 Punkten das Schlussfeld.
Ich sehe diese Entwicklung sehr positiv. Man könnte sogar sagen: Endlich bewegt sich was! Kopfzerbrechen macht mir die immer größere Lücke zwischen den Vorreitern und den Nachzüglern. Wer KI richtig einsetzt, erzielt massive Produktivitätsgewinne. Für mich ist klar: Vergleichen Sie zwei ähnliche Unternehmen, von denen eines KI integriert und das andere nicht, ist der Unterschied in der Leistung nach wenigen Monaten so groß, dass es ein unfaires Rennen ist.
Ich will auf jeden Fall meinen Beitrag leisten, damit der österreichische Mittelstand hier weiterhin mitspielen kann. Darum gibt es heute drei konkrete Hebel, mit denen Sie KI erfolgreich in Ihrem Unternehmen integrieren.
3 Hebel, damit KI in Ihrem Betrieb wirkt:
Starten Sie mit dem, was Sie heute haben
Viele Betriebe beginnen mit einem Werkzeug und suchen danach den passenden Einsatz. Das ist das klassische Hammer-Nagel-Problem: Wenn KI ein Hammer ist, wird jedes Problem zum Nagel. Heraus kommen Piloten, die in der Präsentation beeindrucken und im Alltag wenig verändern. Die Studie zeigt genau diese Lücke. Die Hälfte der Unternehmen kann den Nutzen vorab nicht beziffern.
Der bessere Start ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wo verliert Ihr Betrieb heute Zeit, Geld oder Qualität? Welche Abläufe sind klar beschrieben, welche Daten liegen sauber vor? Wo sitzt der Engpass, der Durchlaufzeiten, Bestände oder Marge wirklich bremst? Erst wenn das auf dem Tisch liegt, entscheiden Sie, wo KI überhaupt Sinn macht. Legen Sie für jeden Einsatz vorher fest, woran Sie den Erfolg messen und wer dafür verantwortlich ist. Dann priorisieren Sie nach der Wirkung im Betrieb.
Am Montag heißt das für Sie: Setzen Sie sich eine Stunde mit Ihrem Führungsteam zusammen und schreiben Sie gemeinsam die fünf größten Zeit- und Geldfresser auf. Die Frage nach dem Werkzeug kommt erst danach.
Schaffen Sie die Bereitschaft, anders zu arbeiten
Mit KI können Sie auf zwei Wegen optimieren. Der erste: Sie nehmen einen bestehenden Prozess und beschleunigen ihn. Das Angebot ist schneller geschrieben, die Anfrage schneller beantwortet, das Protokoll schneller fertig. Das wirkt rasch und ist ein guter Einstieg. Der zweite Weg: Sie erarbeiten mit KI einen neuen Prozess. Dann stellen Sie jeden Schritt in Frage. Braucht es ihn noch? Wer macht was, in welcher Reihenfolge, mit welchen Informationen?
Der zweite Weg bringt mittel- und langfristig meistens deutlich mehr. Er braucht aber Veränderungsbereitschaft. Gewohnte Abläufe fallen weg, Zuständigkeiten verschieben sich, Schnittstellen zwischen Abteilungen werden neu gezogen. Das erzeugt Widerstand, oft genau bei den Leuten, die den alten Prozess am besten kennen. Genau sie brauchen Sie aber, weil sie wissen, wo es im Ablauf heute hakt. Holen Sie sie deshalb von Anfang an dazu.
Am Montag heißt das für Sie: Wählen Sie einen Prozess aus Ihrer Bestandsaufnahme und fragen Sie Ihr Team: Wie würden wir das aufsetzen, wenn wir heute bei null anfangen und KI von Beginn an mitdenken?
Befähigen Sie Ihre Organisation
Damit sind wir beim dritten Hebel. Bereitschaft zur Veränderung wächst dort, wo Menschen wissen, was KI kann, und sich zutrauen, damit zu arbeiten. Dieser Punkt ist schwieriger, als er klingt, denn er erfordert aktive Führungsarbeit. Es genügt nicht, einen Trainer zu buchen oder einen Kurs zu kaufen. Auch das bestätigt die Studie: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen sehen im Talentmanagement einen systematischen Engpass.
Als Führungskraft müssen Sie Ihren Leuten klar machen, dass gewisse KI-Kompetenzen in den meisten Jobs überlebenswichtig werden. Das ist eine unbequeme Botschaft, und sie wirkt nur, wenn Sie sie selbst vorleben. Danach brauchen Ihre Leute Unterstützung und Begleitung: Zeit zum Ausprobieren, konkrete Aufgaben aus dem eigenen Arbeitsalltag und jemanden, der dranbleibt, wenn der erste Versuch nicht klappt.
Am Montag heißt das für Sie: Sprechen Sie in Ihrer nächsten Teambesprechung offen aus, warum KI-Kompetenz für jeden wichtig ist. Und vereinbaren Sie mit jedem Bereich eine erste konkrete Aufgabe, die ab sofort mit KI erledigt wird.
Fazit: Österreichs Betriebe bewegen sich, und das Feld zieht trotzdem auseinander. Die drei Hebel greifen ineinander wie ein Schwungrad. Die Bestandsaufnahme zeigt Ihnen, wo KI wirkt. Neue Prozesse holen die echte Produktivität. Eine befähigte Organisation hält das Rad in Bewegung. Mit jeder Umdrehung gewinnt es an Schwung.
- Wissen Sie, wo Ihr Betrieb heute die meiste Zeit und das meiste Geld verliert, und steht das irgendwo schriftlich?
- Bei welchem Prozess setzen Sie KI nur zum Beschleunigen ein, obwohl ein Neuaufbau mehr bringen würde?
- Wie viele Ihrer Mitarbeiter arbeiten heute regelmäßig mit KI, und wer begleitet sie dabei?
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Martin Posarnig