Wird KI jetzt wirklich alles verändern oder übertreiben die meisten, die KI verkaufen?
Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,
ich sitze bei einem Kunden und arbeite an einem KI-Projekt, als ein Besucher auftaucht, den ich noch nie gesehen habe. Er geht mit dem Geschäftsführer durchs Werk, ich werde ihm als KI-Experte vorgestellt.
Der Mann erzählt, was ihm passiert ist: Seine Assistentin ist nicht im Büro, in wenigen Minuten kommen zwei Kundenanfragen, eine auf Französisch, eine auf Englisch. Französisch kann er gar nicht, Englisch ist er eingerostet. Weil niemand da ist, der helfen kann, lässt er sich von der KI helfen und führt mit wenigen Prompts eine saubere E-Mail-Konversation in beiden Sprachen. Kurz darauf hilft die KI auch einer Mitarbeiterin mit einem Listenabgleich. Sonst ein bis zwei Stunden Arbeit, jetzt in wenigen Minuten erledigt, inklusive Antwort an sie.
Der Mann war sehr stolz, seine Mitarbeiter begeistert davon, was der Chef alles kann. Seine Erkenntnis aus diesen unscheinbaren Ereignissen: Es wird sich alles dramatisch verändern.
Ich bin selbst Teil der KI-Bubble, mir fällt es entsprechend schwer, dabei neutral zu bleiben. Deshalb liefere ich Ihnen heute drei Beweise, an denen ich festmache, dass KI unsere Arbeitswelt völlig auf den Kopf stellen wird.
3 Beweise, dass sich Ihre Arbeitswelt verändert:
Die Einstiegshürde ist weg
Der Chef aus meiner Geschichte konnte kein Französisch und hatte niemanden, der ihm hätte helfen können. Trotzdem stand am Ende eine saubere Kundenkorrespondenz in zwei Sprachen, ganz ohne Vorbereitung. Wer früher eine Fremdsprache oder eine eigene Abteilung gebraucht hätte, kommt heute mit ein paar Sätzen an die KI zum Ergebnis.
Das zeigt sich auch in Zahlen: Laut Statistik Austria stieg der Anteil der Unternehmen ab zehn Mitarbeitern, die KI einsetzen, in Österreich von 9 Prozent im Jahr 2021 auf 30 Prozent im Jahr 2025. Mehr als verdreifacht, und deutlich über dem EU-Schnitt von 20 Prozent. Aus derselben Erhebung: 77 Prozent der Unternehmen ohne KI-Einsatz haben ihn bisher gar nicht in Erwägung gezogen. Die Hürde ist also längst nicht mehr technisch, sie liegt im Kopf. Am Montag heißt das für Sie: Fragen Sie in Ihrem Betrieb, wer sich schon an die KI herangetraut hat und was die anderen davon abhält.
Aus Stunden werden Minuten, bei ganz normaler Büroarbeit
Die zweite Szene ist die unspektakulärste und genau deshalb die überzeugendste: Ein Listenabgleich, der sonst ein bis zwei Stunden dauert, war mit der KI in wenigen Minuten erledigt, samt Antwort an die Mitarbeiterin. Kein Großprojekt, keine Digitalisierungsstrategie, nur eine Aufgabe, die an diesem Tag im Weg stand.
Eine aktuelle Studie der Universität Ulm und des Karlsruher Instituts für Technologie (2026) hat das in einem großen Industriekonzern untersucht: 128 Wissensarbeiter, per Zufall in zwei Gruppen geteilt, mit und ohne KI. Beim Zusammenfassen von Texten brauchte die Gruppe mit KI im Schnitt 52 Prozent weniger Zeit. Der Haken: Beim Heraussuchen von Zahlen war rund jede vierte Antwort falsch oder erfunden, obwohl die richtigen Werte vorlagen. Ergebnisse aus der KI müssen also geprüft werden. Zugleich lief die Studie mit einem KI-Modell aus 2024, und genau hier wird die KI seither laufend und deutlich besser. Am Montag heißt das für Sie: Sammeln Sie die kleinen Aufgaben, die bei Ihnen und Ihren Leuten Zeit fressen, probieren Sie eine davon mit der KI und werfen Sie vor dem Absenden einen zweiten Blick drauf.
KI verändert, wie geführt wird
Am meisten hängen geblieben ist mir die dritte Szene: Der Chef hat es einfach vorgemacht, vor den Augen seiner Leute, und die waren begeistert davon, was er alles kann.
Auch dazu passt eine Zahl: Gallup hat 2026 über 23.000 Beschäftigte in den USA befragt. Erleben Mitarbeiter, dass ihre Führungskraft den KI-Einsatz aktiv unterstützt, nutzen 78 Prozent die KI regelmäßig, also mehrmals pro Woche. Ohne diese Unterstützung sind es 44 Prozent. Die Boston Consulting Group hat 2026 in 14 Ländern befragt, darunter Deutschland: Nur 28 Prozent der Mitarbeiter ohne Führungsfunktion sehen, dass Worte und Taten der Führung beim Thema KI stark zusammenpassen. Genau das hat der Chef aus meiner Geschichte vorgelebt. Am Montag heißt das für Sie: Zeigen Sie Ihrem Team ganz konkret, wofür Sie selbst die KI nutzen.
Übertreiben also die, die KI verkaufen? Der Interessenkonflikt sitzt bei mir eingebaut: Ich bin selbst Teil der KI-Bubble. Trotzdem sehe ich keinen Grund, etwas abzuschwächen: Die Einstiegshürde ist weg, aus Stunden werden Minuten, und wie ein Chef mit KI umgeht, färbt auf sein Team ab. Der Besucher aus meiner Geschichte hat recht. Die Frage für Sie ist nur noch der Zeitpunkt.
- Wo in Ihrem Betrieb würde heute noch eine Sprachbarriere oder eine fehlende Fachkraft zur Vollbremsung führen?
- Welche lästige, aber klar umrissene Aufgabe frisst bei Ihnen oder Ihrem Team regelmäßig ein bis zwei Stunden?
- Haben Sie Ihrem Team schon einmal ganz konkret gezeigt, wofür Sie selbst die KI nutzen?
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Martin Posarnig