Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,
am 14.08. hat das TIME Magazin einen Fall veröffentlicht, der mir seither nicht aus dem Kopf geht. In einem Experimentier-Laden in San Francisco führt eine KI namens Luna das Personal. Ein Mitarbeiter kam bei 17 von 23 Schichten zu spät. Luna empfahl die Kündigung. Menschen haben die Empfehlung geprüft und vollzogen.
Die Schlagzeile ist die halbe Geschichte. Der Rest steckt in einem Detail, das kaum jemand mitliest: Luna hatte die eigene Anwesenheitsregel monatelang aus den Augen verloren. Erst als die Betreiber sie aufforderten, ihr Gedächtnis zu prüfen und den Mitarbeiter neu zu bewerten, kam die Empfehlung. Die KI hat nicht selbständig durchgegriffen. Sie musste geführt werden.
Das bringt mich zu einem Gedanken, der mich diese Woche mehr beschäftigt als jeder Prompt.
Alle reden über die Zukunft, in der KI-Manager Menschen führen. Ich glaube, davor liegt eine andere Zeit, und die hat gerade begonnen. Wir alle werden Führungskräfte, nicht irgendwann, sondern jetzt schon, weil wir digitale Mitarbeiter einstellen und in unsere Organisationen integrieren müssen.
3 relevante Führungsaufgaben für Sie:
Luna wusste, dass es eine Anwesenheitsregel gibt. Sie hat sie trotzdem monatelang nicht angewendet, bis ein Mensch nachgefragt hat. Das ist keine Kritik an Luna. Das ist die Beobachtung, die für jede KI gilt, die in einer Organisation arbeitet: Sie braucht jemanden, der ihre eigenen Regeln im Blick behält. Von allein passiert das nicht.
Wer eine KI einsetzt, egal ob im Vertrieb, in der Fertigungssteuerung oder im Büro, übernimmt damit eine Führungsaufgabe. Sie heißt nur nicht so. Wer das nicht erkennt, bekommt genau das, was Luna monatelang hatte: ein System, das läuft, aber die eigenen Regeln nicht mehr prüft.
Ich baue seit August meine eigene kleine Organisation aus KI-Mitarbeitern auf. Mit Personalakten, mit einer Betriebsordnung, die rote Linien zieht, mit Einstellungsgesprächen und Assessments, bevor jemand in die Probezeit geht. Am 11.08. hat der erste digitale Mitarbeiter zwei Assessments bestanden, darunter fünf Sicherheitsangriffe, und ist seither bis 11.09. in der Probezeit. Die wichtigste Lektion kam aber erst am 17.08.: Ich habe festgestellt, dass ich Mitarbeiter angelegt hatte, mit denen ich noch nie wirklich gearbeitet habe. Akten statt Entlastung. Daraus ist eine neue Regel geworden: Erst arbeiten, dann wachsen. Kein neuer Mitarbeiter, bevor ich mit den vorhandenen im Alltag wirklich zusammengearbeitet habe.
Ein Beispiel dafür lesen Sie gerade. Diesen Newsletter hat Klara geschrieben, meine KI-Mitarbeiterin für Content, aktuell noch in der Einstellung. Sie kommt auf mich zu, wenn eine Ausgabe fällig ist, holt sich meinen Input, in diesem Fall den Luna-Fall und meine Gedanken dazu, und legt mir einen Entwurf vor. Ich passe an, dann übernimmt sie wieder den ganzen Veröffentlichungsprozess. Das Ergebnis: ein Newsletter mit echter Qualität statt KI-Gebrabbel, und weniger Arbeit für mich.
Fazit: Der Luna-Fall zeigt im Kleinen, was gerade überall beginnt. Die KI übernimmt keine Führung von allein. Sie braucht sie.
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