Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,
„Chef, ich habe eine Idee, wie wir das Problem lösen, und ich habe dafür schon eine App gebaut!" So oder so ähnlich beginnen die Erfolgsstories, wenn Mitarbeiter anfangen, sich mit KI im eigenen Betrieb zu beschäftigen. Ich erlebe das oft.
Ich starte mit der Analyse, erarbeite Use Cases, gieße sie in eine Roadmap und gehe dann mit der Organisation in die Umsetzung. Der Weg entsteht beim Gehen. So kommen viele Mitarbeiter relativ schnell drauf, wie sie KI für ihre eigenen Zwecke am Arbeitsplatz einsetzen können. Nach wenigen Qualifikations-Sessions kommen plötzlich Mitarbeiter auf die Idee, eine App zu bauen, die vorher KI maximal als Suchmaschine genutzt haben. Und sie machen das auch tatsächlich. In kürzester Zeit steht eine funktionierende HTML-Seite, und sie sind von ihrem eigenen Arbeitsergebnis begeistert.
So weit, so gut. Die Idee wird dem Chef präsentiert, und auch der ist begeistert. Also kommt der Auftrag: „Umsetzen!" Und ab da wird es dann doch oft schwieriger als gedacht.
Mit der Idee und der Visualisierung ist nämlich schon ein wesentlicher Schritt getan. Vor allem, wenn die Idee weiter verfeinert wurde, ist die Anforderung damit klarer formuliert, als es die meisten vorher konnten. Doch aus einer simplen HTML-Seite eine belastbar funktionierende App zu machen, ist noch einmal ein wesentlicher Schritt. Ich sage sogar, dass die Arbeit dort erst anfängt.
Heute bekommen Sie die drei Bausteine, die es braucht, um von der Idee zur Lösung zu kommen. Keine Angst, Sie müssen als GF jetzt nicht selbst zu coden beginnen. Aber Sie sollten wissen, dass es mehr braucht als eine schöne Seite.
3 Bausteine zwischen Ihrer Idee und einer echten App:
Die App muss irgendwo laufen. Erreichbar, mit Domain und Verschlüsselung, nicht auf dem Laptop desjenigen, der sie gebaut hat. Für viele Betriebe liegt der erste Verteilweg schon im Haus: Microsoft 365, also Teams oder SharePoint. Eine einzelne, in sich geschlossene HTML-Datei lässt sich dort ablegen, jeder lädt sie herunter und öffnet sie lokal. Genau so kommen meine eigenen Werkzeuge zu meinen Kunden. Das funktioniert für Werkzeuge, die jeder für sich nutzt. Ein Zuhause ist es nicht. SharePoint führt HTML mit Skript im Browser bewusst nicht aus, und sobald mehrere Leute gemeinsam mit derselben App arbeiten, ist dieser Verteilweg am Ende.
Dann braucht die App einen echten EU-Hoster. Hetzner Webhosting S kostet 1,60 Euro im Monat exklusive Umsatzsteuer, läuft ausschließlich im eigenen Rechenzentrumspark in Nürnberg und liefert den Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO direkt im Kundenkonto mit. IONOS ist die europäische Alternative. US-Dienste wie Vercel oder Netlify bieten zwar eine EU-Region an, der Vertragspartner sitzt aber in den USA. Bei Kundendaten akzeptiere ich das nicht ohne zweiten Blick. Am Montag heißt das für Sie: Fragen Sie Ihren Mitarbeiter, wo die App heute tatsächlich läuft. Antwortet er mit dem Namen seines Laptops oder einem privaten Account, ist das Ihr erster Auftrag an den externen Partner.
Wer darf rein, und wo landen die Daten, die die App erzeugt? Eine HTML-Seite merkt sich nichts, sobald der Browser geschlossen wird. Für eine Demo reicht das. Sobald mehrere Leute damit arbeiten und dabei Daten entstehen, die morgen noch da sein müssen, trennt sich an dieser Stelle die Demo vom echten Werkzeug.
Ab hier gibt es zwei Wege. Sind Sie ohnehin im Microsoft-Tenant zu Hause, können Sie den Login über Entra ID lösen, Ihre Mitarbeiter melden sich mit dem bestehenden Firmenkonto an, die Daten liegen in einer SharePoint-Liste, und der Rahmen dafür ist Power Apps, enthalten in Microsoft 365 Business Standard und Premium, ohne neuen Vertrag und ohne Zusatzkosten. Der Haken: Die HTML-Seite selbst wird dabei nicht übernommen, die Logik muss in Power Apps nachgebaut werden. Der zweite Weg führt über eine eigene Datenbank außerhalb: Supabase liefert Login, Datenbank und Dateispeicher in einem, Region Frankfurt wählen, dann liegen die Daten bei AWS in Frankfurt, der Vertragspartner selbst sitzt aber in Singapur. Legen Sie Wert auf einen europäischen Vertragspartner: Nhost bietet dieselbe Kombination aus Schweden an. Der Gratis-Plan taugt zum Ausprobieren, bei Supabase schläft ein Projekt ohne Backup nach einer Woche Inaktivität ein. Ab 25 Dollar im Monat gibt es bei beiden tägliche Backups mit sieben Tagen Aufbewahrung. Am Montag heißt das für Sie: Fragen Sie, wo die Daten liegen, die Ihre neue App erzeugt, und ob es dafür einen Vertrag gibt, der das regelt. Kommt keine klare Antwort, ist das Ihr zweiter Auftrag.
Eine App braucht einen Besitzer. Updates, Fehler, Erreichbarkeit, ein Datenschutzhinweis, jemand, den man fragen kann. Ohne diese eine Person stirbt jede App innerhalb weniger Monate, ganz gleich wie gut sie gebaut wurde. Dieser Baustein braucht am wenigsten Technik, deshalb wird er am häufigsten vergessen.
Zwei Werkzeuge unterstützen die Person dabei: UptimeRobot aus Bratislava prüft die App alle fünf Minuten, ob sie noch erreichbar ist, kostenlos bis 50 Monitore. Sentry meldet Fehler, die im Betrieb auftreten, bevor sich ein Kunde oder Mitarbeiter beschwert, ebenfalls im kostenlosen Plan. Sentry sitzt zwar in den USA, Sie können aber schon beim Anlegen des Kontos Frankfurt als Speicherort wählen, auch im Gratis-Plan, nachträglich lässt sich das nicht mehr ändern. Für den Code selbst reicht GitHub mit dem kostenlosen Plan und privaten Repositories, solange kein Personenbezug im Code steckt. Aber das Wichtigste an diesem Baustein ist keine Software. Es ist eine benannte Person in Ihrem Betrieb, die die App besitzt, und ein klarer Rahmen für den externen Partner, der sie gebaut hat oder pflegt. Laut dem Stack Overflow Developer Survey 2025 (49.009 Antworten aus 177 Ländern, erhoben zwischen 29.05. und 23.06.2025) misstrauen 46 Prozent der Entwickler der Genauigkeit von KI-Werkzeugen, nur 33 Prozent vertrauen ihnen. Genau deshalb darf niemand automatisch glauben, was die KI gebaut hat, auch der externe Partner nicht. Am Montag heißt das für Sie: Benennen Sie die Person, die Ihre neue App besitzt, bevor Sie den nächsten Auftrag erteilen.
Ein Zuhause, Zugang und Daten, eine zuständige Person. Keiner dieser drei Bausteine verlangt von Ihnen, selbst Code zu schreiben. Jeder verlangt, dass Sie die richtige Frage stellen, bevor Sie den Auftrag erteilen, nicht danach.
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