Ausgabe 129 11. Juni 2026

So werden Ihre Maschinen intelligenter – in 3 Stufen.

Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,

als ich noch selbst Geschäftsführer war, hatten wir einen Mann in der Instandhaltung, der jede Maschine am Klang erkannte. Er ging an einer Anlage vorbei, hörte kurz hin und sagte: „Die müssen wir am Wochenende anschauen." Meistens hatte er recht.

Als er in Pension ging, nahm er dreißig Jahre Gespür mit – und wir merkten erst dann, wie viel davon nirgendwo aufgeschrieben war.

Heute wäre das anders lösbar. Nicht, indem man ihn ersetzt – das geht nicht. Sondern indem man das, was er fühlte, messbar macht.

Und genau da hat sich in den letzten Jahren mehr getan, als die meisten mitbekommen haben. KI steckt längst nicht mehr nur im Chatfenster. Sie sitzt an der Maschine.

Ich sehe drei Ausbaustufen, wie ein bestehender Maschinenpark intelligenter wird – ohne ihn zu ersetzen.

Stufe 1

Die Maschine warnt Sie (Predictive Maintenance)

Das Problem: Ein Lager fällt aus, die Linie steht, und niemand hat es kommen sehen.

Die Relevanz: Eine Stillstandsstunde kostet oft mehr als ein Monatsgehalt.

Die Lösung: Externe Sensoren – aufgeklebt, angeklemmt, ohne Eingriff in die alte Steuerung – erkennen Verschleiß Wochen im Voraus.

Praxisbezug: Anbieter wie Sensemore, Siemens Senseye oder Bosch Rexroth ODiN nutzen genau dafür Daten, die Ihre Maschine längst erzeugt. Diese Stufe ist bewährt und sofort einsetzbar.

Stufe 2

Die Maschine sagt Ihnen, was zu tun ist (Prescriptive Maintenance)

Das Problem: Ein Alarm allein hilft dem neuen Kollegen nicht – er weiß nicht, was er tun soll.

Die Relevanz: Genau hier geht das Erfahrungswissen verloren.

Die Lösung: Die Maschine diagnostiziert sich selbst und gibt eine konkrete Empfehlung – nicht „Vibration zu hoch", sondern „Lager an Motor 3, in den nächsten 14 Tagen tauschen".

Praxisbezug: Augury, Tractian oder IBM Maximo liefern Diagnose plus Handlungsanweisung. Das macht auch unerfahrene Mitarbeiter handlungsfähig.

Stufe 3

Die Maschine handelt selbst (Physical AI)

Das Problem: Manche Arbeiten sind monoton, gefährlich oder finden niemanden mehr.

Die Relevanz: Der Fachkräftemangel trifft genau diese Tätigkeiten zuerst.

Die Lösung: Schwere mobile Maschinen werden mit Hardware und KI zu autonomen Arbeitsgeräten nachgerüstet.

Praxisbezug: Das Berliner Unternehmen sensmore.ai rüstet zum Beispiel Radlader so um. Ehrlich gesagt: Diese Stufe ist noch jung – beeindruckend, aber kein Standard. Sie zeigt, wohin die Reise geht.

Das Entscheidende: Sie müssen nicht bei Stufe 3 anfangen. Die meisten Betriebe holen den größten Hebel aus Stufe 1 und 2 – und zwar mit Maschinen, die sie längst besitzen.

3 Fragen, die ich Ihnen mitgeben möchte
  1. Was passiert in Ihrem Betrieb, wenn Ihr erfahrenster Instandhalter morgen aufhört?
  2. Kennen Sie Ihre teuerste Stillstandsstunde – in Euro?
  3. Welche eine Maschine würden Sie zuerst „zum Sprechen bringen", wenn Sie könnten?

Wie denken Sie darüber? Teilen Sie Ihre Gedanken gerne auf LinkedIn und lassen Sie uns voneinander lernen.

Wenn Sie herausfinden wollen, auf welcher Stufe Ihr Betrieb heute steht und welcher nächste Schritt sich wirtschaftlich lohnt — lassen Sie uns sprechen. In 30 Minuten haben wir ein klares Bild.

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Martin Posarnig
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