Ausgabe 124 7. Mai 2026

Der 5-Jahres-Strategieplan – macht er heute noch Sinn?

Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,

ich durfte mich unlängst mit einem starken Kooperationspartner über das Thema „5-Year-Plan" unterhalten. Ich schätze diesen Mann sehr. Er ist sehr kompetent und führt ein exzellentes Beratungsunternehmen. Wir arbeiten auch nach demselben Wertesystem. Daher verstehen wir uns sehr gut.

Beim Thema 5-Jahres-Plan für Unternehmen waren wir uns aber nicht wirklich einig. Seiner Ansicht nach braucht es den langen Zeitraum, damit sich Unternehmer getrauen, größer zu denken. Dem kann ich durchaus etwas abgewinnen. Aber meiner Meinung nach ist es schon mutig, ein Zielbild zu kreieren, das drei Jahre entfernt ist.

Die Veränderungsgeschwindigkeit ist so dramatisch, dass strategische Entscheidungen immer kurzzyklischer hinterfragt werden müssen. Was vor drei Monaten noch eine Agentur benötigt, ein halbes Jahr gedauert und 300.000 Euro gekostet hat, ist heute von einem internen Team in einem Monat und einem Bruchteil des Budgets zu schaffen. Das hat Auswirkungen.

Daher gibt es heute von mir drei Empfehlungen, wie Sie Ihre strategischen Überlegungen im KI-Umbruch ansetzen sollten:

Empfehlung 1

Arbeiten Sie mit einem 36-Monats-Zielbild – nicht mit einem 5-Jahres-Plan

Drei Jahre sind heute der ehrliche Horizont. Weiter raus wird Spekulation – nicht Mut. Ein 36-Monats-Zielbild gibt Ihnen Richtung, ohne dass Sie es nach sechs Monaten in den Schrank stellen, weil ein Drittel der Annahmen schon nicht mehr stimmt.

Das Zielbild beantwortet drei Fragen: Wo wollen wir 2029 stehen? Womit verdienen wir dann unser Geld? Was unterscheidet uns dann vom Wettbewerb?

Praxisbezug: Schreiben Sie das Zielbild auf eine Seite. Wenn es länger wird, ist es kein Zielbild mehr, sondern tendiert schon wieder Richtung Strategiepapier.

Empfehlung 2

Planen Sie in 6-Monats-Zyklen – und überprüfen Sie ehrlich

Zwischen Zielbild und Tagesgeschäft gehört ein operativer Strategie-Zyklus. Sechs Monate sind die richtige Größe: lang genug, um Wirkung zu erzeugen. Kurz genug, um Annahmen sauber zu prüfen.

Der entscheidende Punkt: Jeder 6-Monats-Zyklus endet mit einer ehrlichen Strategie-Session. Was hat funktioniert? Welche Annahme war falsch? Was streichen wir bewusst?

Praxisbezug: Planen Sie den Termin für die nächste Strategie-Session jetzt. Nicht „im Herbst". Datum, Uhrzeit, Teilnehmer.

Empfehlung 3

Beschleunigen Sie bewusst – sonst überholt Sie der Markt

Das Beispiel oben – 300.000 Euro auf einen Bruchteil reduziert – ist kein Einzelfall. Das passiert gerade in Marketing, Engineering, Finanzanalyse, Vertrieb. Wer in seinem 5-Jahres-Plan noch mit den alten Kostenstrukturen kalkuliert, plant an der Realität vorbei.

Strategie heißt heute auch: Welche internen Fähigkeiten baue ich auf, damit ich diese Beschleunigung nutzen kann, statt sie nur zu beobachten?

Praxisbezug: Identifizieren Sie drei Prozesse in Ihrem Unternehmen, die in den letzten zwölf Monaten durch KI-Tools deutlich günstiger geworden sind. Haben Sie den Effekt schon realisiert, oder läuft es noch wie 2024?

Fazit: Der 5-Jahres-Plan im Ordner hat seine Berechtigung verloren. Was bleibt: ein klares 36-Monats-Zielbild, ehrliche 6-Monats-Zyklen und die Bereitschaft, eigene Annahmen kurzzyklisch zu kippen. Strategie braucht heute weniger Genie und mehr Kadenz.

3 Reflexionsfragen für Sie
  1. Bis wohin reicht Ihr aktueller Strategie-Horizont – und stehen Sie dahinter, oder ist es ein Erbe?
  2. Wann findet Ihre nächste ehrliche Strategie-Session statt – mit konkretem Datum?
  3. Welche drei Prozesse in Ihrem Unternehmen haben sich durch KI-Tools dramatisch verbilligt – und nutzen Sie das schon?

Wie denken Sie darüber? Teilen Sie Ihre Gedanken gerne auf LinkedIn und lassen Sie uns voneinander lernen.

Wenn Sie an einem Punkt stehen, an dem Sie Ihre Strategie ehrlich auf den Prüfstand stellen wollen — darüber spreche ich mit Geschäftsführern in 30-minütigen Erstgesprächen. Kein Pitch. Ein offener Sparring-Termin.

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