Ausgabe 120 20. Oktober 2025

Zwei Lager, ein Problem – der strukturierte Weg zur unternehmenseigenen KI.

Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,

ich treffe aktuell in jedem Gespräch auf eines von zwei Lagern.

Das erste Lager tut nichts. Nicht aus Desinteresse – sondern aus Vorsicht. Datenschutz, Kontrollverlust, rechtliche Risiken. Die Folge: Mitarbeiter nutzen KI trotzdem. Nur ohne Wissen der Geschäftsführung. Schatten-KI entsteht – unkontrolliert, undokumentiert, rechtlich brisant.

Das zweite Lager macht alles. ChatGPT für jeden, überall, ohne Regeln. Lerneffekt ja. Aber auch: Kundendaten auf US-Servern, keine Governance, kein gemeinsamer Nutzen, Chaos in der Anwendung.

Beide Lager haben dasselbe Problem: keine Struktur. Die Lösung heißt Corporate LLM. Nicht als Buzzword – sondern als konkreter, strukturierter Weg, KI wirklich ins Unternehmen zu bringen. Heute zeige ich dir die 4 Wege, wie das geht – mit ihren Vor- und Nachteilen.

Weg 1

Cloud-basiert mit EU-Datenhaltung

KI-Modelle laufen beim Anbieter – aber auf Servern in der EU, mit strikten Datenschutzvereinbarungen und voller Compliance. Für Unternehmen, die ohnehin in einem großen Cloud-Ökosystem arbeiten, ist das der schnellste Einstieg.

Vorteil: Niedrige technische Einstiegshürde, schnell umsetzbar, keine eigene Hardware.

Nachteil: Externe Abhängigkeit bleibt. Du vertraust darauf, dass der Anbieter seine Versprechen hält – und dass sich die Vertragsbedingungen nicht ändern.

Weg 2

Self-hosted auf eigenem oder gemietetem Server

Das Modell läuft auf deinen eigenen Servern – ob im Unternehmen oder auf einem gemieteten Server bei einem EU-Anbieter. Du hast die volle Kontrolle. Niemand sonst hat Zugriff auf deine Daten.

Vorteil: Maximale Datensicherheit, volle Unabhängigkeit, DSGVO-Konformität ohne Diskussion.

Nachteil: Höherer technischer Aufwand und Initialkosten. Du brauchst entweder interne IT-Kompetenz oder einen verlässlichen Partner für Aufbau und Betrieb.

Weg 3

Hybrid

Unkritische Aufgaben laufen über Cloud-Modelle. Sensible Daten und unternehmenskritische Prozesse bleiben on-premise. Das gibt Flexibilität bei der Modellwahl und hält die Kosten im Rahmen.

Vorteil: Beste Balance zwischen Leistung, Kosten und Datenschutz – wenn es richtig gemacht wird.

Nachteil: Komplex in der Steuerung. Was ist kritisch, was nicht? Diese Grenze muss klar definiert und konsequent eingehalten werden. Das ist organisatorisch anspruchsvoller als es klingt.

Weg 4

Managed Corporate LLM als Dienstleistung

Ein spezialisierter Anbieter baut und betreibt das Corporate LLM für dein Unternehmen – auf dedizierten, DSGVO-konformen Servern in der EU. Du brauchst keine eigene IT-Infrastruktur.

Vorteil: Niedrigste technische Einstiegshürde. Schnell einsatzbereit. Ideal für Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung.

Nachteil: Laufende Kosten als Dienstleistung und eine neue externe Abhängigkeit – diesmal beim Anbieter des Corporate LLM selbst. Wer das ist und wie verlässlich er ist, entscheidet über den Erfolg.

Es gibt keinen universell richtigen Weg. Der richtige Weg hängt ab von deiner IT-Infrastruktur, deinen Datenschutzanforderungen, deinem Budget und deiner internen Kompetenz. Was es immer braucht: eine klare Entscheidung. Wer weiter wartet – oder weiter ohne Struktur arbeitet – überlässt anderen das Feld.

3 Fragen für dich
  1. In welchem der zwei Lager befindet sich dein Unternehmen gerade – und was kostet dich das?
  2. Welcher der 4 Wege passt zu deiner aktuellen IT-Infrastruktur und deinen Ressourcen?
  3. Wer in deinem Unternehmen müsste diese Entscheidung treffen – und hat diese Person das Thema auf dem Radar?

Du willst konkret wissen, welcher Weg für deinen Betrieb der richtige ist? Dann lass uns das gemeinsam herausfinden.

Termin vereinbaren →

Sie haben Fragen oder möchten mir Feedback geben? Ich freue mich über jede Nachricht – per LinkedIn oder per E-Mail an martinposarnig@mpdigital.at.

Ihr Produktivitäts-Pilot,
Martin Posarnig

← Alle Ausgaben