Ausgabe 119 13. Oktober 2025

KI ist ein mega Produktivitäts-Hebel – und trotzdem trägt sie in deinem Unternehmen so wenig bei.

Liebe Geschäftsführerin, lieber Geschäftsführer,

in meinem unmittelbaren Umkreis gibt es keinen Unternehmer mehr, der die Frage „Nutzt ihr KI schon im Betrieb?" mit „Nein." beantwortet. Jeder verwendet KI in irgendeiner Form. Und je nachdem, was dir deine Algorithmus-Bubble liefert, hörst du von unfassbaren Produktivitätssteigerungen und Ergebnisverbesserungen.

Wenn ich aber frage: „Was konntet ihr schon für konkrete Ergebnisse erzielen?" – dann lässt die Euphorie stark nach. Das ist nämlich aus mehreren Gründen schwierig zu beantworten: Es war schon im Vorfeld nicht klar, welche Ergebnisse ein Prozess liefern soll. Mitarbeitende haben Zugang zu einem KI-System bekommen, ohne klaren Auftrag, was damit passieren soll. Eine 80%-Lösung ist schnell entwickelt – aber um sie im Berufsalltag zuverlässig einzusetzen, muss man auch die schwierigen 20% schaffen.

Diese Situation ist kein Einzelfall. Sie ist das Muster. Bitkom hat im Februar 2026 über 600 Unternehmen befragt: 41 % nutzen heute KI – mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr. Gleichzeitig sieht fast jeder zweite KI-Nutzer keinen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. 33 % berichten von deutlich höheren Kosten als geplant.

Das Problem ist nicht die Technologie. Das Problem ist die Reihenfolge.

Schritt 1

Zuerst die Basis schaffen

Bevor das erste KI-Tool sinnvoll laufen kann, braucht es klare Regeln im Umgang mit Daten, definierte Zuständigkeiten und eine Entscheidung, welche Prozesse KI-geeignet sind. In der Praxis kommt das Tool zuerst – die Struktur danach, oder gar nicht.

Wer heute noch kein klares Bild davon hat, welche Daten im Betrieb vorhanden sind und wie damit umgegangen wird, wird auch mit dem besten Tool nicht weit kommen. In der nächsten Ausgabe zeige ich, welche Rolle ein unternehmenseigenes Sprachmodell – ein sogenanntes Corporate LLM – dabei spielen kann, genau diese Wissensbasis intern nutzbar zu machen.

Schritt 2

Die Organisation befähigen – nicht nur ausstatten

Fachkräftemangel nennen 70 % als Barriere. Das stimmt – aber nicht so, wie es meist gemeint ist. Das eigentliche Problem ist nicht, dass niemand vorhanden ist. Es ist, dass niemand befähigt wird.

KI-Grundfähigkeiten gehören heute zu jedem Mitarbeitenden – unabhängig von der Rolle. Auf dieser Basis baut man dann rollenspezifisches Wissen auf. Mitarbeitende, die Fachwissen und Erfahrung mit KI-Kompetenz verbinden, werden zum echten Erfolgsbooster. Das setzt voraus, dass jemand in der Organisation einen klaren Auftrag hat, diesen Aufbau zu führen – nicht nebenbei, sondern als Priorität.

Schritt 3

Konkrete Projekte mit messbaren Ergebnissen

Wenn Basis und Kompetenz stehen, braucht es für einen überschaubaren Zeitraum konkrete Projekte, die auf ein klares Zielbild einzahlen – und messbare Ergebnisse. Nur so schafft man den Beweis, dass die Richtung stimmt und dass sich weitere Investitionen auszahlen.

Das ist keine Aufgabe, die man alleine durchziehen muss. Als Führungskraft sollte man sich hier aktiv Unterstützung holen – jemanden, der nicht nur berät, sondern als Sparringspartner mitdenkt.

KI scheitert nicht am Tool. Sie scheitert, weil das Fundament fehlt. Basis schaffen, Organisation befähigen, dann Projekte umsetzen – in dieser Reihenfolge. Nicht umgekehrt.

3 Fragen für dich
  1. Weißt du, welche KI-Initiativen in deinem Betrieb gerade aktiv laufen – und welche still gestorben sind?
  2. Gibt es in deiner Organisation jemanden mit einem klaren Auftrag für KI-Kompetenzaufbau?
  3. Hast du für eure KI-Projekte messbare Ziele definiert – oder läuft es auf Bauchgefühl?

Wenn du erkennst, dass bei euch noch Fundament fehlt – meld dich gern. In einem ersten Gespräch schauen wir gemeinsam, wo du stehst und welche nächsten Schritte wirklich Sinn ergeben.

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Sie haben Fragen oder möchten mir Feedback geben? Ich freue mich über jede Nachricht – per LinkedIn oder per E-Mail an martinposarnig@mpdigital.at.

Ihr Produktivitäts-Pilot,
Martin Posarnig

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