Ausgabe 116 22. September 2025

Der größte Engpass im Unternehmen: die Aufmerksamkeit des Geschäftsführers.

Liebe Unternehmensgestalter, Produktivitäts-Jäger, Macher und Umsetzer!

Heute erlaube ich mir eine gewagte Behauptung: Der größte Engpass in vielen Unternehmen ist nicht Kapital, nicht Technologie und auch nicht der Fachkräftemangel. Es ist die Aufmerksamkeit des Geschäftsführers.

Ich kann mir diese Aussage erlauben, weil ich selbst Geschäftsführer eines Industriebetriebs war. Und ja, ich war damals ebenfalls oft genau dieser Engpass. Diese Feststellung ist weder respektlos gemeint noch ein plakativer Satz, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Gegenteil: In vielen Unternehmen ergibt sich diese Situation ganz automatisch aus der Realität der Verantwortung.

Als Geschäftsführer bist du der zentrale Knotenpunkt. Viele Menschen im und außerhalb des Unternehmens verlassen sich darauf, dass du den Überblick behältst, Entscheidungen triffst und das Unternehmen stabil führst. Diese Erwartungen sind Teil der Rolle.

Doch genau hier liegt die Herausforderung. Der Alltag eines Geschäftsführers ist geprägt von einer Vielzahl an Themen, die gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen. Personalfragen müssen geklärt werden, operative Probleme verlangen schnelle Entscheidungen, Investitionen müssen bewertet und Budgets verantwortet werden. Kurz gesagt: Du musst entweder in vielen Themen ausreichend Überblick haben oder Menschen vertrauen, die in ihrem Bereich echte Expertise besitzen.

Gerade beim Thema Künstliche Intelligenz im Unternehmen zeigt sich diese Situation aktuell sehr deutlich. Viele Geschäftsführer wissen, dass dieses Thema relevant ist. Gleichzeitig tauchen sofort eine Reihe von Fragen auf: Wie können und wollen wir KI im Unternehmen einsetzen? Welche Mitarbeiter müssen dafür qualifiziert werden? Welche Systeme benötigen wir überhaupt? Und was passiert, wenn sich die Technologie in kurzer Zeit wieder weiterentwickelt?

Es sind berechtigte Fragen. Und oft führt die Unsicherheit zu einer naheliegenden Reaktion: Das Thema wird an die IT-Abteilung delegiert. Doch genau hier liegt ein grundlegendes Missverständnis. Künstliche Intelligenz ist kein klassisches IT-Projekt. Sie verändert nicht nur Softwarelandschaften, sondern Arbeitsabläufe, Entscheidungsprozesse und teilweise sogar die Struktur der Wertschöpfung. Deshalb sind hier Entscheidungen gefragt, die auf Ebene der Geschäftsführung getroffen werden müssen.

Als Geschäftsführer musst du kein KI-Experte werden. Was jedoch entscheidend ist: Du musst verstehen, worüber du entscheidest und welche strategischen Konsequenzen sich daraus ergeben. Heute bekommst du drei Punkte, die aus meiner Sicht jedenfalls deine Aufmerksamkeit als Geschäftsführer verdienen.

Punkt 1

Die strategische Richtung für den Einsatz von KI

Viele Unternehmen beginnen beim Thema KI mit einzelnen Experimenten. Ein Mitarbeiter testet ein Tool, die IT prüft Automatisierungsmöglichkeiten oder ein Pilotprojekt wird gestartet. Diese Initiativen können wertvolle Erfahrungen liefern, verändern jedoch selten das Unternehmen als Ganzes.

Der entscheidende Schritt liegt davor: Die Geschäftsführung muss klären, in welchen Bereichen KI tatsächlich einen strategischen Beitrag zur Wertschöpfung leisten kann. Das kann beispielsweise die Produktionsplanung betreffen, die Angebotskalkulation, administrative Prozesse oder die interne Entscheidungsunterstützung. Erst wenn diese Richtung klar definiert ist, wird aus einzelnen Tools ein strukturiertes Entwicklungsthema.

Diese Weichenstellung kann nicht delegiert werden. Sie ist Teil der unternehmerischen Verantwortung.

Punkt 2

Die Anpassung der Organisation

Der größte Effekt von KI entsteht selten durch ein einzelnes Softwareprodukt. Er entsteht durch veränderte Arbeitsweisen im Unternehmen. Informationen können schneller verarbeitet werden, Entscheidungen können stärker datenbasiert erfolgen und viele administrative Tätigkeiten lassen sich deutlich effizienter organisieren.

Damit verändern sich zwangsläufig auch Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb der Organisation. Arbeitsabläufe werden neu gestaltet, Schnittstellen verändern sich und Mitarbeiter benötigen neue Kompetenzen. Während klassische Digitalisierung häufig als Werkzeug im bestehenden System eingesetzt wurde, verlangt der Einsatz von KI häufig eine bewusste Weiterentwicklung des Systems selbst. Diese Aufgabe gehört in den Verantwortungsbereich der Geschäftsführung.

Punkt 3

Die Arbeit am System statt im System

In vielen Unternehmen entsteht aktuell ein gewisser Aktionismus rund um neue Technologien. Einzelne Projekte werden gestartet, Tools ausprobiert und Initiativen angestoßen. Doch nachhaltige Wettbewerbsvorteile entstehen selten durch isolierte Maßnahmen.

Unternehmen, die langfristig erfolgreich sind, arbeiten parallel an drei grundlegenden Ebenen: an der Klarheit ihrer Entscheidungsarchitektur, an der Leistungsfähigkeit ihrer operativen Abläufe und an der gezielten Integration neuer Technologien. Künstliche Intelligenz ist in diesem Kontext kein Selbstzweck. Sie wirkt vor allem dann, wenn sie in ein gut strukturiertes System eingebettet wird – und gezielt dazu beiträgt, das gesamte Wettbewerbs-Schwungrad des Unternehmens zu beschleunigen.

Der Alltag eines Geschäftsführers wird immer anspruchsvoll bleiben. Entscheidend ist deshalb nicht, wie viele Aufgaben gleichzeitig bewältigt werden müssen, sondern worauf die eigene Aufmerksamkeit bewusst gerichtet wird. Denn genau dort entstehen die Entscheidungen, die über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bestimmen.

3 Fragen zum Nachdenken
  1. Wie viel deiner Zeit investierst du aktuell bewusst in die Zukunftsfähigkeit deines Unternehmens?
  2. Wer beschäftigt sich in deinem Unternehmen strukturiert mit dem Thema KI?
  3. Welche Entscheidung würdest du treffen, wenn du heute drei Stunden ungestörte Denkzeit hättest?

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Unternehmen sich strukturell weiterentwickeln muss, im Alltag jedoch kaum Zeit findest, dich wirklich damit auseinanderzusetzen – lass uns sprechen. Ich stelle mich neben dich und unterstütze dich dabei, solide Entscheidungen im KI-Umbruch zu treffen.

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Ihr Produktivitäts-Pilot,
Martin Posarnig

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