Ausgabe 115 15. September 2025

Wettbewerbsfähigkeit ist ein Schwungrad – und so schiebst du es an.

Liebe Unternehmensgestalter, Produktivitäts-Jäger, Macher und Umsetzer!

In den letzten Jahren habe ich begonnen, eigene und fremde Programme und Projekte mit etwas Abstand zu betrachten. Ich wollte verstehen, warum manche Initiativen erstaunlich gut funktionieren. Sie bleiben im Zeitplan, erreichen ihre Ziele und bleiben im Budget. Andere hingegen geraten ins Stocken, verlieren an Dynamik oder werden irgendwann still beerdigt.

Dabei fiel mir ein Muster auf. Es sind selten die Ideen oder die Technologie, die scheitern. Die meisten Projekte scheitern daran, dass sie an der falschen Stelle beginnen.

Wenn wir über Wettbewerbsfähigkeit sprechen, denken viele zuerst an Produkte, Dienstleistungen oder Marketing. Natürlich ist das wichtig. Ohne ein attraktives Angebot und ohne funktionierenden Vertrieb kann kein Unternehmen langfristig bestehen.

Doch für die meisten Produktionsbetriebe liegt der entscheidende Hebel heute woanders. Wer nicht vollständig einzigartig ist, bewegt sich in einem Markt mit Wettbewerb und Preisdruck. Preise lassen sich nur begrenzt gestalten. Margen entstehen deshalb nicht nur im Markt – sie entstehen im Unternehmen selbst.

Die entscheidende Frage lautet daher: Wie schaffen wir es, unsere organisationale Leistungsfähigkeit kontinuierlich zu steigern?

Nach zahlreichen Projekten und Gesprächen hat sich für mich eine klare Struktur herauskristallisiert. Es gibt drei Bereiche, die maßgeblich darüber entscheiden, ob ein Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit systematisch steigert oder langsam verliert: Entscheidungsarchitektur, operative Exzellenz und gezielte Technologieintegration. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass diese drei Themen bearbeitet werden, sondern auch die Reihenfolge.

1. Hebel

Entscheidungsarchitektur – der Ausgangspunkt

Vor einiger Zeit durfte ich eine größere Systemumstellung begleiten. Mehrere Berater waren beteiligt, alles sehr erfahrene Leute. Workshops wurden durchgeführt, Analysen erstellt, Entscheidungen vorbereitet. Von außen betrachtet lief das Projekt hochprofessionell und trotzdem kam es kaum voran.

Der Grund war überraschend einfach: Es gab keine klare Entscheidungsarchitektur. Prioritäten waren nicht eindeutig definiert. Entscheidungen wurden vertagt. Ziele wurden formuliert, aber ihre Einhaltung wurde nicht konsequent eingefordert. Kritisches Feedback blieb aus – genauso wie Anerkennung bei Fortschritten.

Das Resultat war ein typisches Muster: Viel Aktivität, viel Diskussion, aber wenig Fortschritt. Ohne klare Führung fehlt Orientierung – und ohne Orientierung fehlt Geschwindigkeit. Wenn diese Grundlage nicht vorhanden ist, helfen weder Prozessoptimierungen noch Digitalisierungsprojekte. Sie adressieren das Symptom, aber nicht die Ursache.

2. Hebel

Operative Exzellenz – das stabile Fundament

Wenn Führung Klarheit geschaffen hat, kommt der zweite entscheidende Bereich: robuste und leistungsfähige Prozesse. Viele Unternehmen versuchen, Probleme direkt mit Technologie zu lösen. Das wirkt modern und verspricht schnelle Effekte. Doch wenn Prozesse instabil sind, verstärkt Technologie nur bestehende Schwächen.

Operative Exzellenz bedeutet deshalb, zunächst das Fundament zu stärken: Verschwendung sichtbar machen, Standards definieren, Probleme strukturiert lösen und kontinuierliche Verbesserung im Alltag verankern. Lean-Prinzipien haben dafür über Jahrzehnte einen wirkungsvollen Werkzeugkasten entwickelt.

Ich vergleiche das gerne mit Lauftraining. Wenn du einen Marathon laufen willst – und unternehmerische Entwicklung ist definitiv ein Marathon – wirst du mit reinem Sprinttraining nicht weit kommen. Zuerst braucht es eine stabile Grundlagenausdauer. Im Unternehmen entsteht diese durch klare Standards, transparente Kennzahlen, strukturierte Problemlösung und kontinuierliche Verbesserung. Diese Arbeit wirkt am Anfang manchmal unspektakulär. Doch sobald erste Fortschritte sichtbar werden, entsteht Dynamik.

3. Hebel

Technologieintegration – der Verstärker

Erst wenn Führung und Prozesse stabil sind, entfaltet Technologie ihre volle Wirkung. Ich sage es manchmal bewusst provokant: Wer einen Saustall digitalisiert, erhält einen digitalen Saustall.

Viele Unternehmen beginnen bei der Technologie. Sie sprechen mit Lösungsanbietern und hoffen auf schnelle Effekte. Doch ein Lösungsanbieter kann naturgemäß nur eine Antwort geben: „Natürlich können wir das lösen." Die entscheidende Frage lautet jedoch: Welches Problem lösen wir überhaupt?

Digitale Technologien und KI entwickeln sich aktuell mit enormer Geschwindigkeit. Für Produktionsunternehmen entstehen bereits heute enorme Potenziale – etwa in der Produktionsplanung, in administrativen Abläufen oder bei datenbasierter Entscheidungsunterstützung. Doch Technologie wirkt wie ein Verstärker. Sie verstärkt klare Führung. Sie verstärkt stabile Prozesse. Und sie verstärkt auch Schwächen. Deshalb braucht Technologieintegration heute einen klaren Fahrplan mit kurzen Lernzyklen und regelmäßiger Anpassung.

Das System

Das Wettbewerbs-Schwungrad

Wenn man diese drei Ebenen zusammendenkt, entsteht ein klares Bild. Eine klare Entscheidungsarchitektur sorgt für Orientierung und Verantwortung. Operative Exzellenz schafft stabile und leistungsfähige Prozesse. Technologieintegration verstärkt diese Strukturen und hebt Produktivität sowie Transparenz auf ein neues Niveau.

Und genau hier beginnt ein Kreislauf: Mehr Transparenz durch Technologie fordert bessere Führung. Bessere Prozesse ermöglichen neue technologische Möglichkeiten. Neue Möglichkeiten erhöhen wiederum die Leistungsfähigkeit des gesamten Systems. Es entsteht ein System, das sich mit jeder Umdrehung weiter beschleunigt. Genau dieses Prinzip nenne ich das Wettbewerbs-Schwungrad.

Unternehmen, die dieses Schwungrad bewusst aufbauen, steigern ihre Leistungsfähigkeit kontinuierlich. Unternehmen, die nur einzelne Maßnahmen umsetzen, erleben oft das Gegenteil: viel Aktivität, aber wenig nachhaltige Wirkung.

3 Fragen zur Reflexion
  1. Wo investiert ihr aktuell Energie – und ist das wirklich der richtige Ausgangspunkt?
  2. Sind eure Prozesse stabil genug, um Digitalisierung sinnvoll zu nutzen?
  3. Wie klar ist eure Entscheidungsarchitektur, wenn es um Veränderungsprojekte geht?

Viele Geschäftsführer spüren, dass sie ihr Unternehmen weiterentwickeln müssen – sind sich aber nicht sicher, wo sie beginnen sollen. Genau dafür habe ich den Executive Reality Check entwickelt. In einem strukturierten Austausch analysieren wir gemeinsam die aktuelle Situation und identifizieren die Hebel, mit denen sich Ihr Wettbewerbs-Schwungrad beschleunigen lässt.

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Sie haben Fragen oder möchten mir Feedback geben? Ich freue mich über jede Nachricht – per LinkedIn oder per E-Mail an martinposarnig@mpdigital.at.

Ihr Produktivitäts-Pilot,
Martin Posarnig

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